Ein Lesekünstler an der Ludmilla-Realschule Stefan Gemmel liest aus seinem Buch „Lukas und der Zauberschatten“

Wie geht denn so was? Ein erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautor, der früher gar keine spannenden Geschichten geschmökert hat? Keine „Fünf Freunde“? Keine „Drei Fragezeichen“, nicht mal „Die Schatzinsel“? „Na ja, es blieb zum Glück nicht dabei“, räumte Stefan Gemmel vergangenen Montag an der Ludmilla-Realschule ein. Das Glück marschierte in Gestalt seiner Deutschlehrerin an. Die knallte ihm eines Tages mitten im Unterricht einen Wälzer auf die Tischplatte, der nichts mit dem Lehrplan zu tun hatte. „Das war so ihre Art, sie schleppte immer schwere Taschen voller Nachschub für die Schüler mit und hatte wahrscheinlich Tausende Bücher zu Hause.“ Der junge Stefan begann sein erstes Buch höchst widerwillig – und verschlang es dann in einem Zug. Fortan ging’s nicht mehr ohne. Vom Verächter zum Verehrer der bedruckten Seiten: Es ist seine eigene Geschichte, die Stefan Gemmel zu Beginn seiner Lese-Shows für Kinder und Jugendliche gern erzählt. Der 46-Jährige aus Lehmen an der Mosel gilt nicht nur als Vielschreiber – 52 Titel gehen bereits auf sein Konto – sondern auch als Vielvorleser. Er tourt durch Deutschland und Europa, besucht deutsche Schulen in Paris, Prag, Rom. Seine Bestseller heißen „Geistergefährte“ oder „Im Zeichen der Zauberkugel“. Aber auch „Keine Angst, kleiner Hase“. Zielgruppe der Schmöker, Shows und Schreibwerkstätten sind junge Leute im Alter zwischen drei und 18 Jahren. Einen Band der sechsteiligen „Zauberschatten“-Reihe hat er mit an die Realschule gebracht. Gespannt lauschen die Fünftklässler der fantastischen Geschichte, in der ein Teenager nur eine gemeine Mutprobe bestehen soll, zu der er herausgefordert wurde. Als ihn jedoch ein seltsamer alter Mann aufhält, gerät er in einen Strudel aus unglaublichen Ereignissen! Der Mann behauptet, ein Magier zu sein, und stellt sich ihm als Schüler Merlins vor. Lucas soll ihm helfen, einen uralten Fluch zu brechen, und muss dafür zurück ins Camelot der Zeit König Artus‘ reisen…  . Gemmels Auftritt ist mitreißend, quirlig aber durchdacht. Die Sprache kommt beim jungen Publikum an. Von Zeit zu Zeit hält er inne, stellt Verständnisfragen, bezieht die Kinder ins Geschehen ein. Und beantwortet selbst Fragen, wie: „Schreibst Du mit der Hand oder am Computer? Wieviel verdienst Du? Wie lange brauchst Du für eine Geschichte?“ Der Autor erklärt und erzählt, zeigt Illustrationen, entfaltet Druckfahnen. Und vermittelt so auch noch ganz nebenbei, wie ein Buch entsteht. Oft heißt es ja, dass sich der Nachwuchs nicht mehr für Bücher interessiert. Das stimmt aber nur bedingt. Stefan Gemmel schaffte es, mit seinen Geschichten, die Schüler zu fesseln, mit Beamer, Fotos und viel Aktion. Er nahm sie mit auf eine Lese-Reise. Den Titel „Deutschlands Lesekünstler“ erhielt der Autor 2011 und wenn man seine Interpretationen der verschiedenen Tierstimmen von Hamster, Frettchen, Hund und Siebenschläfer erlebt, versteht man, warum Vorlesen auch tatsächlich Kunst sein kann. 

Bilder und Text: Uli Kimberger